Stammzellbiologie

Stammzellen sind die eigentlichen Träger der Bildung und in der Regel auch des Wachstums sowie der Erneuerung (Regeneration) von Geweben und Organen. Stammzellen kommen in fast allen Geweben des menschlichen (wie auch tierischen) Körpers vor, jedoch sind nur einige Organe ganz oder teilweise zur Regeneration fähig (Haut, Blut, Knochen, Knorpel, Bindegewebe, Skelett-Muskel, Leber). Nervensystem und Herz, die auch Stammzellen besitzen, sind hingegen zur Regeneration nicht in der Lage.

Ein wichtiges Ziel der Erforschung von Stammzellen besteht darin, zu verstehen, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen Stammzellen beschädigtes oder altes Gewebe in Organen ersetzen (können). Ein weiters Ziel ist die Erkenntnis, welche Bedeutung Stammzellen für die Funktion eines Organs oder Gewebes in Gesundheit und Krankheit besitzen.

Die Hoffnung ist, dass sich Stammzellen auf der Grundlage dieses Wissens therapeutisch auch zur Heilung von Organen, die normalerweise nicht regenerieren, einsetzen ließen. Eine weitere Hoffnung ist, besser zu verstehen, wie sich der Körper auf chronische Erkrankungen einstellt, um dieses Wissen zur Verbesserung von Vorbeugung und Kompensation zu nutzen.

Auch in der wissenschaftlichen Forschung von Krebserkrankungen und des Alterns haben stammzellbiologische Erkenntnisse bereits zu entscheidenden Fortschritten geführt.

Stammzellen formen mit ihrer Umgebung im Organismus eine funktionelle Einheit, die so genannte „Nische“. Viele Ansätze in Regenerativer Medizin betrachten Stammzellen nicht für sich allein, sondern in diesem Kontext.

Stammzellen sind darüber hinaus relevant für therapeutische Ansätze, in denen versucht wird, aus Stammzellen generierte (= erzeugte) Zellen zu transplantieren, um für Zellersatz bei diversen Erkrankungen zu sorgen.

Quellen:
Gerd Kempermann, Neue Zellen braucht der Mensch - Die Stammzellforschung und die Revolution in der Medizin
Piper-Verlag, München (2008)
Gerd Kempermann, Adult Neurogenesis 2 - Stem Cells and Neuronal Development in the Adult Brain
Oxfort Press, New York (2008)